Antimilitaristische Aktionen während der Kieler Woche

Anti-Kriegs-Workshop

19.6.2004, 13.30 - 18.00 Uhr, Legienhof (Gewerkschaftshaus)

Spätestens seit dem Angriff der NATO auf das ehemalige Jugoslawien ist deutlich geworden, dass das wiedervereinigte Deutschland auch militärische Mitteln zur Durchsetzung seiner Interessen einsetzt. Die Beteiligung am Angriffskrieg gegen Afghanistan und die vorangetriebene Aufstellung der EU-Eingreiftruppe sind weitere Bausteine dieser Entwicklung, für die die politische und militärische Führung der Bundeswehr die Unterstützung der Bevölkerung sucht. So wird die Neuorganisation der Bundeswehr zur internationalen Interventionsarmee begleitet von Anstrengungen, die Kriegseinsätze der Bundeswehr und die Bereitstellung von Milliarden-€-Beträgen für das Militär politisch abzusichern und die Bundeswehr durch Film, Fernsehen und öffentliche Zur-Schau-Stellungen von Kriegsgerät zu popularisieren.
Anlässlich des alljährlichen „Militärspektakels“ Kieler Woche bietet sich in einem Workshop die Gelegenheit, auf der Basis von Fachvorträgen über die Entwicklung der Bundeswehr zum Instrument zur Vertretung imperialistischer Interessen (unter besonderer Berücksichtigung der Marine) sowie über die Militarisierung des Alltags (u.a. in Film und TV) zu diskutieren. Zudem besteht Gelegenheit, in Arbeitsgruppen Möglichkeiten und Projekte für (lokale) Gegenaktivitäten zu entwickeln.

Veranstalterin: 
AVANTI - Projekt undogmatische Linke unterstützt vom Anti-Kriegs-Bündnis Kiel
Um Anmeldung unter: kiel@avanti-projekt.de oder Avanti-Kiel, Schweffelstraße 6, 24118 Kiel wird gebeten. Es wird ein kleiner Unkostenbeitrag erhoben werden.


Kiel, 23.6.2004

Antimilitaristische Fahrradtour in der Kieler Woche

Die Kieler Woche ist ein Spiegel der Entwicklung der Stadt Kiel, deren Geschichte und Gegenwart gekennzeichnet und geprägt ist durch Marine, Schiffbau und Kriegsproduktion. War die erste Kieler Woche 1882 noch ein reiner Segelwettkampf, wurde sie bald unter Kaiser Wilhelm II. zu einem pompösen und protzigen Fest umgewandelt. Mit viel patriotischem Hurra wurde sie zu einer Jubelfeier der kaiserlichen Marine. Kriegsschiffe fast aller Marinen kamen, Militärs, Politiker und wer wichtig war und dazugehören wollte, feierte mit. Damals lehnte die Sozialdemokratie die Feiern noch ab und appellierte an die Arbeiterschaft, dem Spektakel fernzubleiben, denn die Kieler Woche sei „eine Narretei der Reichen und Satten.“

Nach dem ersten Weltkrieg stand wieder das sportliche Segelereignis im Mittelpunkt der Kieler Woche. Dies änderte sich jedoch bereits wieder 1933, als die Kieler Woche mit in die NS-Propaganda eingebunden wurde und die Kriegsmarine gefeiert wurde, übrigens sehr begrüßt vom KaiserlichenYachtclub, der 1946 als Kieler Yachtclub neugegründet wurde.

Nach dem zweiten Weltkrieg sollte nach dem Willen vom damaligen Oberbürgermeister Andreas Gayk die Kieler Woche „Resonanz für das gesamte Leben der Stadt, für ihre Bereitschaft der Erneuerung des geistigen und politischen Lebens“ sein und ein international sichtbares Zeichen für den Friedenswillen setzen. Das Militär war zunächst erst mal unerwünscht, stattdessen sollte die Kieler Woche als Kulturfest glänzen. Bis heute hat sich das Bild der Kieler Woche bekanntermaßen gewandelt, es ist neben einem Volksfest eben auch wieder internationales Treffen und Werbung für die sich an weltweiten Kriegseinsätzen beteiligende Marine.

Mit der antimilitaristischen Stadtrundfahrt wollen wir ein Zeichen setzen gegen Militarisierung und Krieg. Kiel ist nach wie vor geprägt vom Militär und in großem Maße von Kriegsproduktion abhängig. Dies könnte auch anders sein!

Wir laden daher alle ein, sich für ein antimilitaristisches Kiel zu engagieren und sich an der antimilitaristischen Fahrradfahrt während der Kieler Woche rund um die Förde zu beteiligen. Wir treffen uns am Mittwoch, 23. Juni um 17 Uhr vor dem HDW-Werkstor in Gaarden (Werftstr.) und fahren dann um die Förde bis zum Marinestützpunkt Tirpitzmole in der Wik. Ankunft ist dort etwa um 19 Uhr. An verschiedenen Stationen gibt es Informationen zu Kieler Kriegsproduktion, militärischen Einrichtungen und Stadtgeschichte.

 

Und so war's:

Trotz des regnerischen Wetters fuhren 10 Kielerinnen und Kieler während der Kieler Woche verschiedene Schauplätze entlang der Kieler Förde an und nahmen deren militärische Vergangenheit und Gegenwart kritisch unter die Lupe. Damit setzten sie dem Alltag Kieler Waffenproduktion und z.B. dem „Open-ship“-Spektakel am Kriegshafen die Idee einer Welt ohne Militär entgegen. Vor Ort wurde von Avantis und einigen Leuten vom Kieler Antikriegsbündnis Informationen über die historische wie aktuelle Bedeutung der Rüstungsstandorte, des Marinehafens an der Tirpitz-Mole und dem Kieler Yacht Club gegeben. Dabei wurde z.B. der Germania-Hafen (benannt nach der ehemaligen Kruppschen Rüstungswerft) in den „Ernst-Busch-Hafen“ umbenannt (siehe Bild), um dem Deutschen Rüstungswahn das Bild eines mutigen Antimilitaristen, der z.B. während der Kieler Novemberrevolution und bis weit nach dem zweiten Weltkrieg sich gegen den Krieg in Wort und Tat engagierte entgegenzusetzen.

Eine Wiederholung dieser Tour eventuell für den „Anti-Kriegs-Tag“ am 1.9. oder zum Jahrestag der Kieler Novemberrevolution Anfang November geplant.

Weitreichendere Informationen zum Rüstungs- und Marinestandort Kiel, auf dessen Grundlage die Fahrradtour stattfand sind unter folgenden Homepages zu finden:

www.antikriegsbuendnis-kiel.de (Homepage des Anti-Kriegs-Bündnisses Kiel)

www.homes.gaarden.net/amsta (Homepage der antimilitaristischen Stadtrundfahrt)

Im Detail wurden folgende Stationen besucht:

  • Howaldtswerke Deutsche Werft am Ostufer: 
    U-Boot-Produktion und Export an Terror-Regime

  • Ernst-Busch-Hafen an der Hörn: 
    Der ehemalig Germania-Hafen, benannt nach der Kruppschen Rüstungswerft wurde anlässlich der Rundfahrt umgetauft nach dem berühmten Kieler Sänger und Schauspieler, der von der Kieler Novemberrevolution bis weit nach dem zweiten Weltkrieg Anti-Militarismus in Wort und Tat lebte.

  • Landeshaus mit Blick auf Marine-Ehrenmale Möltenort und Laboe:
    Die Glorifizierung deutscher Seesoldaten vertuscht deren Täterrolle.

  • Kieler Yacht Club:
    Betreibt seit seiner Gründung im 19. Jahrhundert zusammen mit den Militaristen eine elitäre Ausrichtung der Kieler Woche. Der vor der Villa stehenden Friedrich-Krupp-Büste wurde auf der Rundfahrt ein Schild umgehängt: „Rüstungsprofit geht über Leichen!“.

  • Marinehafen an der Tirpitz-Mole:
    Z.B. Heimathafen des marinegrößten Kriegsschiffs, des Einsatzgruppenversorgers „Frankfurt am Main“
    Deutsche Großmachtinteressen werden unter dem Deckmantel „Friedenseinsätze“ militärisch abgesichert, so auch in der neuen EU-Armee.

  • Flandern-Bunker sowie weitere Denkmäler und Rüstungsbetriebe

Anti-Militaristisches Theaterstück

27.6.2004  an der Kiellinie

Treffpunkt: 12 Uhr im Ratsdienergarten beim Denkmal für die Novemberrevolution