Redebeitrag Avanti bei Wir-wollen-alles-Block am 3.6.2006 in Berlin
Der Termin ist jetzt klar: Der G8-Gipfel in Deutschland wird von Freitag, dem 8. Juni 2007 bis zum Sonntag, dem 10. Juni stattfinden. Dann werden sich die selbsternannten „Führer der Welt“, also die Staats- und Regierungschefs der 7 führenden Wirtschaftsnationen plus Russland in Heiligendamm an der mecklenburgischen Ostseeküste versammeln. Während die Elite im mondänen Luxushotel Kempinski zwischen Konferenztisch und Häppchen pendelt, ihnen eine riesiger Tross von BeraterInnen, ÜbersetzerInnen, Ministern, Staatssekretären usw. zuarbeitet – wird eine riesige Polizeitruppe den Tagungsort weiträumig absperren, überall martialische Präsenz zeigen und versuchen alle Störungen und Proteste von Heiligendamm fernzuhalten.

Das so genannte Gipfel-Hopping ist oft kritisiert worden. Denn natürlich sind G8-Gipfel sind nur symbolhafte Verdichtungen kapitalistischer Herrschaft – nicht aber das Zentrum des globalisierten Kapitalismus selbst, der in diesem Sinne eben kein lokalisierbares und personifizierbares Zentrum hat. Die Entscheidungen und medialen Botschaften der G8-Gipfel sind auf unzähligen Vortreffen auf unteren Ebenen längst vorbereitet und abgesprochen. Der globale Kapitalismus würde wohl auch ohne diese Inszenierungen funktionieren.


Dennoch wird Herrschaft und Legitimität von Herrschaft auch über solche Symbole wie die G8-Gipfel hergestellt. Das Bad in der Menge, die symbolische Einheit von globaler Elite und den Beherrschten, gehört allerdings schon längst der Vergangenheit an. Das ist der fortdauernde Erfolg der Bewegung der Bewegungen, wie sie sich vor allem in Seattle und Genua gezeigt hat.


Doch es bleibt das Symbol der Macht, der Führungsstärke und der angeblichen Alternativlosigkeit, des globalen Kapitalismus und seiner hässlichen Begleiterscheinungen wie permanenten Kriegen, Ausbeutung und Entrechtung im globalen Maßstab.

Genau gegen dieses Symbol der Alternativlosigkeit ist die Mobilisierung gegen den G8-Gipfel gezielt. „Eine andere Welt ist möglich“ – in diesem schlichten, auf den ersten Blick gar nicht radikal erscheinenden Satz ist schon fast die gesamte Sprengkraft unserer Bewegungen enthalten. Wir setzen hinzu: Die andere Welt ist längst da. Sie existiert, untergründig, in aller Vorläufigkeit, in Anfängen und tastenden Versuchen, aber sie ist da und geht nicht mehr weg.
Diese andere Welt der globalen Gegenmacht braucht ebenfalls ihre symbolhaften Punkte, an denen sie sichtbar wird und ihre Perspektiven als Möglichkeit aufscheinen lässt.

So ein Punkt, unser Punkt wird Heiligendamm im Juni 2007 sein.

Die Vorbereitungen sind längst angelaufen, in vielen Gruppen und Bündnissen, auf Konferenzen und Plena diskutieren und entwickeln AktivistInnen ihre u usw. Vision von Heiligendamm2007. Alle, die darin an irgendeiner Stelle beteiligt sind spüren, dass etwas Bedeutendes im Gange ist, dass sich neue Perspektiven von Zusammenarbeit und politischer Intervention öffnen.


Die Aktionskonferenz in Rostock im März, an der 300 AktivistInnen teilnahmen hat den ersten Rahmen abgesteckt: Es wird einen Gegengipfel geben, ein oder mehrere große Kulturevent, einen Aktionstag Migration, Camps für 10.000e von AktistInnen aus der ganzen Welt sind in Planung. Und es sind zwei wichtige Zielmarken gesetzt: Für die Großdemonstration die TeilnehmerInnenzahl 100.000 plus – und für die praktischen Aktionen ist festgehalten, dass es massenhafte Blockaden des Gipfels geben wird.

Diese Blockaden sollen ein Symbol der kraftvollen, praktischen Delegitimierung der G8 werden, der sichtbare Punkt, dass wir nicht nur Protest anzumelden haben, sondern entschlossen sind, unser Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen, dass wir für die G8 nur noch eine Botschaft haben: Sie sollen alle abhauen!


Damit die Blockaden diese Wirkung aber haben können, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: Erstens müssen sich weit mehr Menschen als sonst üblich an Aktionen des sozialen Ungehorsams beteiligen, müssen als auch Gruppen der radikalen Linken sich Öffnen und ein Konzept von anschlussfähigen Massenblockaden entwickeln. Und zweitens dürfen die Blockaden selbst gerade NICHT symbolisch sein, sondern müssen den ernsthaften und entschlossenen Versuch darstellen, den G8-Gipfel von seiner Infrastruktur abzuschneiden.

Damit die Vision von den kraftvollen Tagen des Widerstandes 2007 Realität wird, ist noch viel zu tun. Die nächsten Etappen werden die Aktionen gegen das Bush-Merkel-Treffen am Vorabend des G8-2006 14.7. in Stralsund, das Camp vom 4. – 13.8.2006 an der Ostseeküste und die nächste Aktionskonferenz in Rostock im Oktober sein.

Also dann: See you on the barricades!