Redebeitrag Avanti Norderstedt zur SZ- Demo am 30.12.2005

Hallo zusammen!

Ich komme von Avanti- Projekt undogmatische Linke. Zu unserer Organisation gehören sechs Ortsgruppen in Norddeutschland. Wir arbeiten unter anderem zu Themenschwerpunkten wie Soziales und Antifa. Auch hier in Norderstedt gibt es eine Ortsgruppe, die sich seit mehreren Jahren im Sozialen Zentrum getroffen hat.

Wir sind also eine der Gruppen, die heute ihre Räume verlieren sollen. Darüber hinaus war das SZ für uns und andere ein Raum um Leute zu treffen, Aktionen zu planen, unkommerzielle Kneipen und Konzerte zu besuchen und eigene politische Veranstaltungen zu organisieren.

Eine solche Veranstaltung war auch die Podiumsdiskussion, die im Juni dieses Jahres stattgefunden hat. Dabei ging es genau um das, weswegen wir auch heute hier sind: die Zukunft des SZs. Anwesend waren damals auch Bürgermeister Grote und VertreterInnen der anderen Parteien. Obwohl es hieß, dass das SZ- Gelände nicht vor 2007 gebraucht werden würde, lehnte Grote damals eine Vertragsverlängerung grundsätzlich ab. Auf eine Diskussion über Sinn und Zweck kultureller Einrichtungen ließ er sich gar nicht erst ein. Stattdessen wurden dem Sozialen Zentrum Räume in der Stormanstraße angeboten, die aber von Musikgruppen und anderen bereits genutzt wurden und für das SZ viel zu klein gewesen wären. Die CDU ruhte sich auf ihrer totalen Mehrheit aus und verweigerte sich jedem ernsthaften Austausch von Argumenten!

Dieser Linie blieb sie treu. Im November waren über 100 NutzerInnen der Räume in der Stormanstraße vom Rauswurf bedroht. Nur  durch Protestschreiben konnte der Betrieb für ein weiteres Jahr gesichert werden.

Das SZ hat durch die Besetzung und den juristischen Vergleich nur für vier weitere Monate seinen Fortbestand sichern können. Auch wenn dieses letzte Ultimatum heute ablaufen soll, war dies im Rahmen der Möglichkeiten zumindest ein kleiner Erfolg.

Doch es gibt noch weitere linke Zentren in Schleswig- Holstein: So ist z.B. das Hotel am Kalkberg in Bad Segeberg von der ersatzlosen Schließung bedroht. Im November gab es dazu eine Protestaktion.

In Kiel gilt für die Alte Meierei nach wie vor ein Veranstaltungsverbot. Konzerte finden deshalb seit über drei Monaten im Exil statt, d.h. sie finden in Einrichtungen statt, die sich solidarisch mit der Alten Meierei zeigen.

Die Walli in Lübeck hat nach einer zweijährigen Widerstandskampagne ihr Gelände inzwischen erfolgreich gegen die CDU verteidigen können. Jetzt haben sie einen Vertrag bis 2010!

Wie diese Beispiele zeigen, gibt es an vielen Orten Menschen, die solche Initiativen voran bringen und ihr Leben in die eigene Hand nehmen. Wir erklären uns solidarisch mit ihnen und danken an dieser Stelle allen, die aus anderen Zentren heute gekommen  sind, um uns hier zu unterstützen!

Für das Soziale Zentrum hat sich gezeigt, dass von der Stadt keine Hilfe zu erwarten ist. Wir müssen uns also selbst neue Räume suchen und diese mit Leben füllen. Also macht mit und bringt euch ein. Es geht um die Frage, wie wir leben wollen. Und so wie die CDU – mit Kreuzung, Landesgartenschau und Distributionszentrum – stellen wir uns das sicher nicht vor!