Laternenumzug für das Soziale Zentrum in Norderstedt, 21.10.2005

Hallo liebe Leute,

mal wieder sind wir auf der Straße. Nur dieses Mal läuft‘s ein wenig anders als sonst.

Unsere Laternen-Demonstration steht heut im Zeichen von St. Martin. Er, so heißt es, ist der Ursprung für die jetzt stattfindenden Laternenumzüge. Er teilte, so die Legende, sein letztes Hemd mit einem Bettler. Das finden wir erstmal super. Es ist schlicht und ergreifend solidarisches Verhalten welches dieser Martin da an den Tag gelegt hat. Damals wurde er dafür sogar heilig gesprochen. Aber keine Angst. Wir sind angesichts unserer schwierigen Lage nicht auf den Religionstrip gekommen. Es wird heute auch sicher kein Spielmannszug marschieren. Wir wollten aus aktuellem Anlass nur kurz darauf verweisen, dass Solidarität mit Schwächeren mal up to date war. Diese Zeiten sind heute, wenn‘s nach den herrschenden Politikern geht, definitiv vorbei, doch dass werden wir nicht akzeptieren. Wir stellen uns, heute mal mit Laternen, gegen den sozialen Kahlschlag, der uns an allen Ecken und Enden der Gesellschaft entgegen schlägt. Das Soziale Zentrum Norderstedt vertritt schon seit Jahren die Auffassung, dass die kapitalistische Gesellschaft einem solidarischem Miteinander aller Menschen, egal welcher Herkunft, diametral entgegensteht. Letztlich kann nur die Abschaffung dieses Waren, Kriege und Ungleichheit produzierenden Systems das Ziel sein. Doch auf dem Weg dahin gilt es die bisher erkämpften sozialen Errungenschaften zu verteidigen und auszubauen.

Die regierende CDU in Norderstedt meinte mit ihrem Wahlergebnis eine Legitimation zu haben, das Kulturcafe zu schließen, die Stadtwerke zu privatisieren, Mittel für die KITAs , Obdachlose und für die Drogenberatung zu kürzen sowie das SZ aus fadenscheinigen Gründen zu zerstören. Und einiges davon konnten sie auch durchsetzen. St. Martin würde kotzen, hätte er das noch mitbekommen. Doch einige Sparprojekte der CDU konnten verhindert werden. Dies war nur möglich, weil sich Menschen zusammengetan haben und ihre Bedürfnisse gemeinsam formuliert haben. Die herrschenden Parteien werden gemeinsam den Druck auf sozial Schwächere weiter verschärfen, da sind wir uns sicher, aber genauso sicher sind wir, dass auf den kleinen Erfolgen, die in letzter Zeit erreicht worden sind, aufgebaut werden muss, um mit vereinten Kräften Widerstand gegen unsoziale Politik und für ein menschenwürdiges Leben zu organisieren. Es kann nicht angehen, dass auf der einen Seite die CDU sich durch millionenteure Prestigeprojekte, wie beispielsweise den NordPort oder die Landesgartenschau Denkmäler setzt und auf der anderen Seite die Menschen über Gaspreiserhöhung der gewinneinfahrenden Stadtwerke oder durch Einschnitte in die soziale und kulturelle Infrastruktur die Zeche dafür zahlen müssen. Gut, werden einige sagen, das ist nun mal die Logik des Systems. Ok, sagen wir, dass bedeutet ja noch lange nicht, dass wir uns dieser Logik fügen müssen.

Der Angriff auf das Soziale Zentrum Norderstedt ist kein isoliertes Phänomen, sondern ist im Kontext einer Politik zu verorten, die fast nur noch profit- und leistungsorientiert ausgerichtet ist. Wer nicht in dieses Schema passt, darf dann eben nicht mehr mitspielen. Alleinerziehende Mütter, Obdachlose, Flüchtlinge, Punks  und Gebäudereiniger gehören nicht zu der Klientel, für die Grote und Konsorten Politik machen. Aber sie sind da. Hoffen wir, dass von dieser leicht spirituell angehauchten Veranstaltung ein wenig übrig bleibt, denn der am Anfang erwähnte St. Martin war nicht nur für seine soziale Ader bekannt. Nein, ihm werden auch eine große Zahl von Wundern nachgesagt. Beispielsweise, dass er Tote wieder lebendig machte. Wir wünschen uns und kämpfen dafür, dass die von den Sozialräubern tot geglaubte Bewegung für ein schönes Leben in Solidarität und Gleichheit aller Menschen wieder aufersteht!!

Wir fordern:

  • Finger Weg von Sozialen Projekten!

  • SZ Norderstedt bleibt!

  • Die CDU muß das C aus ihrem Namen streichen und zwar sofort