Marburg, 1.5.2008: Offene Arbeitskonferenz der Interventionistischen Linken / Worte danach

Kurz & nicht bündig

2. Offene Arbeitskonferenz der IL

Rund 250 Menschen hatte sich auf den Weg nach Marburg gemacht, um am vergangenen Wochenende (25.-27. April) an der 2. Offenen Arbeitskonferenz der Interventionistischen Linken (IL) teilzunehmen.
Eingeladen waren alle, die am Projekt einer interventionistischen Linken interessiert sind. Gekommen sind diejenigen, die mit uns darüber diskutieren wollten, wie über die Situation der radikalen Linken in der BRD hinauszukommen ist, die, seien wir ehrlich, trotz Heiligendamm in gesamtgesellschaftlicher Perspektive noch subkulturell und insgesamt marginal ist.

An den Diskussionen beteiligten sich nicht nur GenossInnen, die schon in der IL mitarbeiten, sondern auch viele, die unsere Bereitschaft teilen, diese Situation zu ändern - unter anderem Mitglieder der LINKEN, der DKP und der isl, AktivistInnen von attac und der Antifa, aus Antira-Zusammenhängen und sozialpolitischen Initiativen sowie der globalisierungskritischen Bewegung, von 'solid und dielinke.sds.

Dass die Erwartung, über die aktuelle Situation der radikalen Linken in der BRD hinauszukommen, nicht unbegründet und in Ansätzen bereits erfolgreich ist, zeigen die bisherige Geschichte der IL und die Bereitschaft der in ihr vertretenen unterschiedlichen Gruppen, Organisationen und Einzelpersonen zu Kooperation und Austausch. Uns alle eint der Eindruck, dass es einen gesellschaftlichen und einen politischen Ort für eine radikale Linke in der BRD gibt. Es existieren genug gesellschaftliche Widersprüche und Verwerfungen, in und an denen sich eine radikale Linke artikulieren und positionieren könnte.

Diesen möglichen und notwendigen Ausdruck zu artikulieren, ihn nach "innen", in die Linke, zu organisieren, und zugleich nach "außen", in der Gesellschaft, sichtbar, hörbar und spürbar zu machen - dafür steht die IL. In Marburg ging es deshalb um die verschiedenen Facetten einer radikalen linken Politik, die in die gesellschaftlichen Verhältnisse einzugreifen versucht – durchgespielt in den Bereichen Globale Soziale Rechte/Antirassismus, Soziale Kämpfe, Krieg und Sicherheit, Antifa und Klimapolitik und aufgezeigt am Stand des Organisierungsprojekts IL und seiner Vorgeschichte.

Die IL - das ist unsere feste Überzeugung - muss mehr sein als die Summe ihrer Teile. Eine Organisierung, die alte Fehler nicht wiederholt, die antagonistisch, aber zugleich offen für Bündnisse ist, die die Autonomie der Einzelnen wahrt, aber zugleich einen gemeinsamen Ausdruck findet, in der Verschiedenheit Platz hat, aber zugleich ein Gemeinsames existiert und die nicht zuletzt, weder theoretisch noch praktisch, einen Alleinvertretungsanspruch hat.

Das ist ein schwieriger, auch langwieriger und langsamer Prozess. Und die Ungeduld mancher, die schnelleres und entschiedeneres Vorgehen wünschen und von uns erwarten, ist verständlich und berechtigt. Wir haben uns mit dieser Arbeitskonferenz nach innen und außen geöffnet. Die Fragen sind gestellt und müssen jetzt beantwortet werden. Sicherlich blieb in Marburg noch vieles unbestimmt. Aber anders konnte es eigentlich nicht sein, denn wir hatten ja offen eingeladen, an der Beantwortung der in diesem Prozess entstehenden Fragen mitzuarbeiten.

Dennoch wurden auch konkrete Verabredungen getroffen. So wird die Interventionistische Linke ausloten, wie ein linksradikaler Beitrag zu den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Gründung der NATO im nächsten Jahr aussehen kann. Und wir unterstützten das Klima-/Antira-Camp im August 2008 in Hamburg, an dem sich Einzelne und Gruppen aus der IL aktiv beteiligen werden. Auch in der Frage der Struktur sind wir ein Stück weitergekommen: Es liegen konkrete Vorschläge auf dem Tisch, die entschieden werden müssen. Andere Fragen müssen dagegen noch beantwortet
werden: Was bedeuten eigentlich Militanz oder Antikapitalismus unter den gegebenen, konkret zu bestimmenden Klassenverhältnissen, wie sähe eine angemessene Praxis aus?

Wir werden diese Herausforderungen jetzt unter anderen Bedingungen
weiterverfolgen: mit all denen, die sich in den letzten Tagen an den Diskussionen beteiligt haben und die an unserem Prozess der Organisierung einer radikalen Linken in der BRD weiter teilhaben wollen.
Am 5./6. Juli 2008 wird das nächste Treffen stattfinden; eingeladen ist, wer sich zur Mitarbeit entschlossen hat.

Interventionistische Linke, 1. Mai 2008