14. - 17.10.2004: Europäisches Sozialforum, London

Die Demonstration am 17.10.2004

50.000 gegen Bush & Krieg - 500 gegen Kapitalismus und Prekarisierung

Nachdem der Kreis der ESF – Organisatoren die Mobilisierung für die Abschlussdemonstration weitgehend der „Anti-War-Coalition“ überlassen hatte und die „Socialist Workers Party“ aufgrund ihres gigantischen Propagandaapparates mit ihren Schildern (Bush-Terrorist No 1., Free Palestine, Troops out of Iraq) das Wahrnehmungsbild massiv beeinflussten, konnte schnell der Eindruck entstehen, dass es sich um eine riesige Anti-Kriegs-Demonstration handelte. Leider ging hierbei unter, dass es durchaus auch andere Blöcke und Teilnehmende gab.

Jedoch konnten weder der Indy-Media-Block, die Clowns-Army oder der internationale Antikapitalistische Block (Motto: Smash Capitalism – Against Precarity, Reclaim Flexibility) entscheidend die Wahrnehmung für Außenstehende zu Beginn der Demonstration beeinflussen. So setzte sich um kurz nach 13.00 Uhr vom Russell Square eine unüberschaubare Masse von Demonstrierenden Richtung Trafalger Square in Bewegung, aus der sich erst im Verlauf der ersten halben Stunde und nach dem immer wieder erfolgten Hinweis darauf, dass es sich bei dem Antikapitalistischem Block auch um einen solchen handelt, unser Block herauskristallisierte.

Zwar wurde die Demoleitung des Blocks nicht müde zu betonen, dass Schilder oder Parolen welche sich nur auf Partikularforderungen (wie z.B. die der Socialist Worker Party) beschränken nichts in diesem Block zu suchen hätten, in Gänze vermeiden ließ es sich aber nicht. Mit guter Stimmung, netter Musik (der Block hatte sein eigenes Soundsystem dabei) und klaren Parolen (A-Anti-Anticapitalista, No Border-No Nation-Stop Deportation, Fight the Rich-Fight the Law-one Solution-Classwar etc.) ging es dann Richtung Innenstadt und mit einem Schlenker über die Themse zum Trafalger Square. Die Resonanz auf unsere Parolen und unser Auftreten war durchweg positiv, was die Vermutung zulässt, dass der Antikapitalistische Block zumindest im Verlauf der Demonstration als wahrnehmbare Alternative zur Anti-War-Socialist-Worker-Einheitsmelange registriert wurde. So gut unsere Stimmung war, so friedlich blieb es auch bis zum Ende der Demonstration. Zwar gab es Festnahmen am Rande und einen Kessel um ca. 30 Aktivistinnen und Aktivisten an der King`s Cross Underground Station (welcher nach kurzer Zeit aufgelöst wurde), massive Übergriffe, wie sie bei anderen Großevents gang und gäbe waren, gab es jedoch nicht. Vielmehr zeichnete sich die Polizei durch ein relativ dreistes Vorgehen was das Fotografieren von Demonstrierenden anging aus, was aber oft schlichtweg toleriert wurde.

Nach zweieinhalb Stunden und einem gehörigem Abstand zur eigentlichen Demospitze lief der Antikapitalistische Block dann auf den Trafalger Square ein auf welchem dann die Abschlusskundgebungen mit Anti-Kriegs- Schwerpunkt  stattfand. Hier zerstreute sich die Menschenmenge relativ schnell, was dazu führte, dass die Polizei auch hier noch Einzelpersonen relativ unbemerkt herausgreifen konnte.

Fazit: Auch wenn die bürgerlichen Medien diese Demonstration in erster Linie als Anti-Kriegs-Veranstaltung aufgenommen haben, so war es dennoch richtig durch einen Antikapitalistischen Block, welcher im Kern auch als solcher wahrnehmbar und anschlussfähig gewesen ist, an der Demonstration teilzunehmen und so andere Akzente zu setzen. So konnte die beteiligten Gruppen und Personen wenigstens während der Strecke und beim Einlaufen in auf den Trafalger Square auf die Pluralität der Bewegung hinweisen und vermitteln, dass es während des Europäischen Sozialforums eine nicht unwesentliche antikapitalistische Strömung gab.     

 

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