14. - 17.10.2004: Europäisches Sozialforum, London

Call for the ANTICAPITALIST BLOck / Aufruf zum ANTIKAPITALISTISCHEN BLOCK

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Smash capitalism

against precarity – reclaim flexibility

Thousands of people come together at the European Social Forum in London to discuss how another, better world can look like and what steps are to be taken to achieve this change. As many others we are concerned and outraged about the obvious lack of democracy, equality and justice in Europe and in the world.

The European governments are constantly militarising their foreign policy. Together with the USA they go more and more often to war, in order to enforce economic and strategic interests. European armies are highly involved in the occupation of Kosovo, Afghanistan and Iraq.

At the borders of Europe an undeclared war against immigrants is taking place that has already killed well over 5.000 immigrants. However this new border regime is challenged everyday, and often successfully, by thousands of women and men, who succeed in crossing the borders. Migration is a powerful, autonomous social movement of people building better lives,

deserting oppression and the poverty of their home countries.

On the other hand we have to see the social and economic function of the European border regime. Rather than really sealing the borders it is a selective mechanism of inclusion of the migrants (and of migrant labor) through their illegalization.

The situation of the paperless immigrants is an extreme example of what we call precarity. Precarious life is defined by unsteady income and forms of non regulated and highly exploited labour. As the neoliberal transformation of society is proceeding, precarity of work and life becomes a widespread general phenomenon that affects millions of people. Social security and

social rights are replaced by the build-up of police forces, public surveillance and more prisons.

We are convinced that there is no way back in the lost world of permanent work with nine-to-five working days. The hopeless attempt to preserve the last remains of the social democratic welfare model can’t open up new perspectives as it was designed for old way of working. Flexibility is exactly what we struggle for - but not in the sense of the neoliberal project, where flexibility means the complete submission of individuals under the needs of capital. We want to reclaim flexibility, we want to be in control of our time, our work and our lives – and at the same time to break the rule of capital.

Protests and appeals are not enough to change the world - we need to connect and organize the struggles of our everyday lives, in order to create the counter-power that can overcome and abolish capitalism. We do not need new or old centralized parties, but the resistance has to be built up both locally and globally and must be under full democratic control by the people themselves. In the face of capitalist globalisation we need a globalisation from below: an international network of anti-capitalist resistance.

That is what we want to discuss on the various events we attend and that is, why we call you to participate in the

ANTICAPITALIST BLOCK

in the International Demonstration, Oct 17th, 1 p.m., Russell Square

Northeuropean Anticapitalist Network.


Kapitalismus zerschlagen

Gegen prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse -
reklamieren wir die Flexibilität für uns!

Tausende von Menschen kommen beim Europäischen Sozialforum in London zusammen, um gemeinsam zu diskutieren, wie eine andere, bessere Welt aussehen kann und welche Schritte notwendig sind, um diesen Wandel zu erreichen. Wie viele andere sind wir besorgt und empört über den offensichtlichen Mangel an Demokratie, Gleichheit und Gerechtigkeit in Europa und in der Welt.

Die europäischen Regierungen militarisieren fortwährend ihre Außenpolitik. Zusammen mit den USA führen sie immer mehr Kriege, um ihre ökonomischen und strategischen Interessen durchzusetzen. Europäische Armeen sind stark beteiligt an der Besetzung des Kosovo, Afghanistans und des Irak. 

An den Grenzen der Festung Europa findet ein unerklärter Krieg statt, der bereits deutlich mehr als 5000 MigrantInnen das Leben gekostet hat. Dennoch wird dieses neue Grenzregime jeden Tag in Frage gestellt - von Tausenden Frauen und Männern, denen es gelingt, die Grenzen zu überwinden. Migration ist eine kraftvolle, autonome soziale Bewegung von Menschen, die sich ein besseres Leben aufbauen, der Unterdrückung und der Armut ihrer Heimatländer entfliehen.

Auf der anderen Seite müssen wir die soziale und ökonomische Funktion des Europäischen Grenzregimes sehen. Es geht weniger darum, die Grenze hermetisch abzuriegeln, als um einen selektiven Mechanismus der Inklusion von MigrantInnen (und ihrer Arbeit) gerade durch ihre Illegalisierung. 

Die Situation von papierlosen MigrantInnen ist ein extremes Beispiel dafür, was wir Präkarität nennen. Prekäres Leben ist definiert durch unsicheres Einkommen und Formen nicht regulierter, hochgradig ausgebeuteter Lohnarbeit. Mit dem Fortschreiten des neoliberalen Umbaus der Gesellschaft wird die Ungesichertheit von Arbeits- und Lebensbedingungen ein weitverbreitetes Phänomen, das Millionen von Menschen betrifft. Soziale Sicherheit und soziale Rechte werden ersetzt durch den Aufbau von Polizeikräften, öffentlicher Überwachung und mehr Gefängnissen. 

Wir sind davon überzeugt, dass es keinen Weg zurück in die verlorene Welt der Vollbeschäftigung mit Arbeitstagen von neun bis fünf Uhr gibt. Der hoffnungslose Versuch, die letzten Überreste des sozialdemokratischen Modells zu erhalten, kann keine Perspektive eröffnen, da dieses Modell für diese überholte Form der Lohnarbeit gemacht wurde. Flexibilität ist etwas, für das wir kämpfen - aber nicht im Sinne des neoliberalen Projekts, in dem "Flexibilität" die vollständige Unterordnung der Individuen unter die Bedürfnisse des Kapitals bedeutet. Wenn wir Flexibilität für uns einfordern, dann wollen wir selbst die Kontrolle über unsere Zeit, unsere Arbeit und unser Leben - und gleichzeitig die Herrschaft des Kapitals brechen.

Proteste und Appelle sind nicht genug, um die Welt zu verändern. Wir müssen die Kämpfe unseres alltäglichen Lebens verbinden und organisieren, um die Gegenmacht aufzubauen, die den Kapitalismus abschaffen und überwinden kann.
Wir brauchen keine alten oder neuen zentralisierten Parteien, sondern der Widerstand muss gleichzeitig lokal und global aufbaut werden und unter der vollständigen demokratischen Kontrolle der Menschen selbst stehen. Angesichts der der kapitalistischen Globalisierung brauchen wir eine Globalisierung von unten: Ein internationales Netzwerk antikapitalistischen Widerstands.

Das ist es, was wir auf den verschiedenen Veranstaltungen, an denen wir beteiligt sind, diskutieren wollen und das ist es, warum wir Euch aufrufen, teilzunehmen am

ANTIKAPITALISTISCHEN BLOCK

in der Internationalen Demonstration, 17. Oktober, 13 Uhr, Russell Square

Nordeuropäisches Antikapitalistisches Netzwerk