Naziaufmarsch in Heide vom 1.5.2005: Offener Brief an Bürgermeister und Landrat

Bewegung gegen den Krieg, Dithmarschen

Bündnis 90/Die Grünen, Kreisverband Dithmarschen

VVN/BdA Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes - Bund der Antifaschisten, Landesverband Schleswig-Holstein

 

Offener Brief

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Stecher,

sehr geehrter Herr Landrat Dr. Klimant,

 

Wie Sie der Dithmarscher Landeszeitung vom 30. April 2005 entnehmen konnten, hatte ein 21-jähriger Schüler aus Dithmarschen beim Verwaltungsgericht in Schleswig einen Antrag auf Einstweilige Verfügung gestellt gegen die Demonstration der "Freien Kameradschaften" am 1. Mai 2005 in Heide. Durch die Demonstration und den in Heide verteilten Aufruf mit der Kontaktadresse "Nazis in Holstein" fühlte er sich als Jude auch persönlich in seiner Würde und Sicherheit bedroht. Sein Antrag wurde vom Verwaltungsgericht u.a. mit der Begründung, dass er sich "durch politische Aktionen o.ä." gegen die Demo wenden könne, abgelehnt.

Durch Ihre Geheimhaltungspolitik haben Sie eine demokratische Diskussion über politische Aktionen o.ä. erschwert. Zudem haben Sie die BürgerInnen dazu aufgerufen, zu Hause zu bleiben und nicht zur Kenntnis zu nehmen, was an diesem Tage in Heide geschieht. Die GegendemonstrantInnen wurden pauschal als Unruhestifter diffamiert und so wirkungsvolle Initiativen gegen die Neonazis behindert.

Dass es auch anders geht, zeigen die Geschehnisse vom vergangenen Wochenende in Berlin. Dort musste die NPD unter dem Druck von Polizei und Gegenversammlungen ihre geplante Veranstaltung absagen. Die Polizei bedankte sich anschließend bei den antifaschistischen DemonstrantInnen für ihre Unterstützung.

Auf den jungen Mann aus Dithmarschen kommen jetzt die Verwaltungsgerichtsgebühren in Höhe von ca. Euro 150 bis 450 zu. Wir möchten Sie bitten, sich persönlich dafür einzusetzen, dass diese Kosten von der Stadt Heide und/oder dem Kreis Dithmarschen übernommen werden, um dem Schüler symbolisch seine Würde zurückzugeben.

 

In Erwartung Ihrer freundlichen Antwort verbleiben wir

 

Mit freundlichen, antifaschistischen Grüßen !

i.A. Jan Klabunde