Hamburg, 17.4.2008: Veranstaltung im Bürgerhaus Barmbek gegen den Naziaufmarsch am 1.5.2008

Erfolgreiche erste Mobilisierungsveranstaltung im Bürgerhaus Barmbek

Die heiße Phase der antifaschistischen Mobilisierung gegen den geplanten Naziaufmarsch in Barmbek hat begonnen. Mehr als 100 Leute informierten sich am gestrigen Donnerstag im Bürgerhaus Barmbek bei einer Veranstaltung des Hamburger Bündnis gegen Rechts über den aktuellen Stand der Stadtteil-Proteste im Vorfeld und die Planungen für die große Bündnisdemostration und Strassenfest am 1. Mai.

Die gesellschaftliche Breite der Proteste und die Stimmung im Stadtteil spiegelte sich auch im Publikum wider:

  • Viele Anwohner/innen boten Hilfe an beim Verteilen von Flugblättern,
  • die Interessengemeinschaft Fuhlsbüttler Strasse kündigte an, die Cafes und Läden an der Fuhle bei Kaffee und Kuchen für den antifaschistischen Protest zu öffnen.
  • Sechs Kirchengemeinden aus Barmbek und Dulsberg werden am 1. Mai zeitgleich die Protestglocke läuten.
  • Die Stadtteilvernetzung Barmbeker Ratschlag hat über 40 Gewerbetreibende und Initiativen, von Globetrotter über türkische Gemüseläden bis zur Bücherhalle zu einer Plakat- und Postkartenaktion gegen Nazis versammelt. Die erste Auflage von 5.000 Stk. war binnen einer Woche vergriffen, gestern berichtete das Barmbeker Wochenblatt über die Plakataktion und wird in seiner nächsten Ausgabe eine halbseitige Ausgabe des Plakates abdrucken, welche sich die Barmbeker/innen in ihre Fenster hängen oder auf der Demonstration tragen können.
  • Gewerkschafter/innen setzten sich dafür ein, möglichst viele Kolleginnen und Kollegen von der offiziellen DGB-Kundgebung am Spielbudenplatz, St.Pauli, direkt nach Barmbek zu mobilisieren.
  • DGB-Jugend und die IG BAU Hamburg laden ab 12 Uhr ein zu einem Strassenfest am Hartzlohplatz, direkt neben dem Bürgerhaus Barmbek. Dort wird es ein buntes Programm aus Infotischen, Live-Musik und politischen Diskussionen geben, für Kinder stehen einige Attraktionen auf dem großen Spielplatz bereit. Teilnehmer/innen der Bündnisdemonstration, die um 10.00 Uhr am Bahnhof Barmbek beginnt, können sich hier im Anschluß mit Essen und Getränken stärken.

Die Anwohner/innen wurden aufgerufen, am 1. Mai die Fenster zu öffnen und ihre Lautspecherboxen mit Musik von Radio FSK (93.0 Mhz) auf die Demonstrationsroute der Neonazis zu richten. Der Radiosender wird für die Barmbeker/innen an diesem Tag aktuell zum Protest im Stadtteil berichten.

Nachdem in den letzten Wochen der öffentliche Druck gegen den Neonaziaufmarsch massiv zugenommen hat, unterstützen nun auch alle Fraktionen der Bezirksversammlung Hamburg Nord offiziell die antifaschistischen Proteste in Barmbek am 1. Mai. In den nächsten Tagen folgen zudem noch eine Reihe von Mobilisierungsveranstaltungen im Stadtteil, unter anderem ein LKW-Konzert am 29. April am Barmbeker Bahnhof mit Jan Delay, Deichkind und vielen anderen Hamburger KünstlerInnen, das verstärkt SchülerInnen und Jugendliche in die Proteste einbinden wird.

Große Sorge wurde geäußert über die zu erwartenden Polizeimaßnahmen. Eine weitgehende Einschränkung der Rechte von Anwohner/innen durch Ausweiskontrollen, Zugangsverbote und Abriegelungen im gesamten Stadtteil werden erwartet. So übermittelten die Kirchenvertreter Ängste der vor allem älteren Besucher/innen des zentralen Gottesdientes um 10.30 Uhr an der Hufnerstrasse, überhaupt durch die Polizeisperren an- und abreisen zu können. Jugendliche befürchteten für den Tag massive Polizeikontrollen aufgrund ihres Kleidungsstils oder ihrer Haarfarbe. Hier gilt es im Vorfeld des 1. Mai öffentlich deutlich zu machen, das die Polizei nicht das berechtigte Protest-Anliegen mehrerer Tausend BarmbekerInnen durch Außerkraftsetzung der Anwohner/innenrechte unterlaufen kann und mit der hermetischen Abriegelung eines ganzen Stadtteils eine eigene Politik betreibt.

Die Planungen der Proteste gegen den Neonaziaufmarsch haben in Barmbek eine für Hamburg neue Qualität angesichts der gesellschaftlicher Breite und lokalen Beteiligung erreicht, das wurde gestern im Bürgerhaus erlebbar und strahlt aus auf die noch anstehenden Infostände, Veranstaltungen, Konzerte sowie die große Bündnisdemonsration am 1. Mai.