Hamburg, 31.1. und 27.3.2004: Aktionen gegen Naziaufmärsche wg. Wehrmachtsausstellung

[turn left] smash right !

Hamburg, 27.3.2004:

HH_040327.jpg (58147 Byte)Nach einer erfreulich großen Antifa-Demo mit über 2000 TeilnehmerInnen gelang es einigen hundert AntifaschistInnen trotz der Polizeiübermacht an die Route der Nazi-Demo zu kommen und unseren Protest hörbar und sichtbar zu machen. Die Nazis waren mit ca. 300 TeilnehmerInnen eher ein klägliches Häuflein.

Hamburg, 31.1.2004:

HH_040327_PK.jpg (25504 Byte)Eine der größten Antifa-Demos seit langem: Etwa 6.000 AntifaschistInnen zogen hinter dem Leittransparent »Deutsche Täter sind keine Opfer! Gemeinsam gegen Faschismus und Krieg!« durch Hamburg-Barmbek und -Winterhude. Leider konnte der Aufmarsch von ca. 900 Neonazis anlässlich der Wehrmachtsausstellung nicht verhindert werden. Dies liegt nicht zuletzt an dem massiven und unprovozierten Angriff der Polizei auf unsere Demonstration beim Erreichen des (genehmigten) Kundgebungsplatzes. Mit mehreren Wasserwerfern wurde die Demo weit zurückgedrängt. Der Lautsprecherwagen, aus dem die Auschwitzüberlebende Esther Bejarano mit Durchsagen versuchte, die Lage zu beruhigen, wurde gleichfalls zum Ziel der Wasserwerfer - schließlich brachte die Polizei ihre Stimme zum Schweigen, indem sie die Stromzufuhr unterbrach. Trotz der massiven Polizeigewalt konnten die Neonazis aufgrund der "Gefahrenlage" nur knapp ein Viertel ihrer geplanten Route laufen.

HH_040327_Plakat.jpg (45488 Byte)Redebeitrag von AVANTI vom 27.3.2004

Morgen am 28.03.2004 ist die Wanderausstellung „Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1942 – 1945“ das letzte mal zu sehen. Sie war seit ihren Anfängen begleitet von heftigen gesellschaftspolitischen Debatten.

Mit der Ausstellung endet auch eine der größten und bedeutungsvollsten Neonazi - Kampagnen in Deutschland nach 1945.

Die Neonazis bezeichnen diese als „Schandausstellung“, stempeln die unwiderlegbaren Beweise als Lügen ab und versuchen mit ihrer Kampagne die Ehre der Wehrmacht zu retten. Das eigentliche ziel ist jedoch nicht alleine die Ausstellung: Mit der Kampagne „unsere Großväter waren keine Verbrecher“ nutzten die Neonazis auch die Chance, sich in der Öffentlichkeit unverhohlen positiv auf den Nationalsozialismus zu beziehen – und das in einer Weise, der so mancher Deutsche immer noch zustimmt. Die Meinung, nur Hitler und seine Generäle seien Verbrecher gewesen, der „einfache Soldat“ habe jedoch unschuldig und unwissend der Vernichtungsmaschinerie gegenübergestanden, ist nicht nur bei den Nazis ein fester Bestandteil des deutschen Nationalbewusstseins.

Wie tief die Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht“ den Nerv der deutschen Gesellschaft auf ihrer Suche nach einem Schlussstrich unter die Vergangenheit getroffen hatte, zeigte sich 1997 in München. Hier gingen über 5000 Personen gegen die Wehrmachtsausstellung auf die Straße. Es hatte sich ein breites Bündnis von CSU-Kreisen über den gesamten rechten Rand, NPD, bis hin zu „freien Kameradschaften“ zusammengefunden, um die Wehrmacht von den Verbrechen freizusprechen und damit mal wieder das deutsche Selbstbewusstsein zu retten.. Dabei war nicht nur die Anzahl der marschierenden Nazis schockierend, sondern auch der offene Schulterschluss zwischen Neonazis und etablierten Konservativen.

Außerdem hatten die Neonazis endlich ein Thema gefunden, mit dem sie auch außerhalb Ihrer eigenen Kreise wahrgenommen wurden und mit dem sie sich in allgemeinpolitische Debatten einmischen konnten, konservative Positionen aufgreifen und um die Zustimmung breiter Bevölkerungskreise werben. Und sie hatten erkannt, das Demonstrationen am jeweiligen Ausstellungsort eben wegen ihrer gesellschaftspolitischen Brisanz so gut wie immer genehmigt wurden.

Nach München folgten einige kleinere Aufmärsche mit dem Ziel die Ausstellung zu diffamieren. Meist wurden diese von der NPD angemeldet und von den Freien Kameradschaften unterstützt.

Dies änderte sich jedoch allmählich. Einerseits setzte die NPD alle angemeldeten Demonstrationen aufgrund des Verbotsverfahrens aus, und andererseits nahm der aus der Haft entlassene und heutige Anmelder des Aufmarsches Christian Worch die Fäden in die Hand. Für ihn zählt nicht der Anlass und nicht die Teilnehmerzahl, sondern sein ziel ist es, mit möglichst vielen Aufmärschen, egal wo und warum, einen Gewöhnungseffekt in der Bevölkerung zu erzielen und nationalsozialistisches Gedankengut gesellschaftsfähig zu machen.

Als dieses Recht der Neonazis, in „jeder Stadt Deutschlands zu marschieren“, auch vom Bundesverfassungsgericht mehrfach erlaubt wurde entwickelte sich eine neue Dynamik. Es entstand eine Aufbruchsstimmung und nun wurde an jedem Ort, in dem die Wehrmachtsausstellung zu sehen war, meist unter der Regie von Worch, marschiert. Alleine das ihm zu gestandene Demonstrationsrecht muß schon als Erfolg für Worch und Co. gewertet werden, da die meisten rechtsextremen Demonstrationen vor der Kampagne aufgrund von Sicherheitsbedenken verboten worden waren.

Es war Worch & Co. Jedoch nicht vergönnt, sich lange über diesen Erfolg zu freuen. Mittlerweile schwächen interne Streitigkeiten die Szene mehr und mehr. Thomas Wulff, ebenfalls langjähriger Hamburger Nazi - Kader, ist im Gegensatz zu Christian Worch nicht der Meinung immer und immer wieder demonstrieren zu müssen, nur um in der Öffentlichkeit zu stehen. Auch wirft er Worch im Umgang mit der Öffentlichkeit - also möglichen Feinden - vor, zu sorglos zu sein.

Erinnern wir uns zurück. Am 31.01 marschierten schon einmal ca. 1200 Neonazis durch Winterhude und Barmbek. Anmelder war Thomas Wulff, Vertreter des mit Worch verfeindeten Flügels der Freien Kameradschaften. Mit aufgerufen und teilgenommen haben im Januar verschiedene NPD - Parteiverbände und die sogenannten Freien. Heute ist nicht mit so vielen Teilnehmern zu rechnen, da Christian Worch der NPD nicht so nah steht und viele Freie Kameradschaften eher dem Wulf - Spektrum zugeordnet werden müssen. Aber es ist wieder so, das Hunderte von Polizisten uns davon abhalten wollen die Nazi - Kampagne würdig zu verabschieden.

Die Polizei hat auch bei den kleineren Mobilisierungs- und Protestaktionen der hiesigen Neonazis während der Wehrmachtsausstellung nicht eingegriffen. So wurde an verschiedenen Stellen in der Stadt versucht, die so saubere Wehrmacht durch dreckige Theatereinlagen rein zu waschen, oder mit deutschem Männer Gesang vor Kaufhäusern ehrenwerte Kunden vergrault. Auch einen feigen Buttersäure Anschlag für die tapferen Wehrmachtssoldaten auf die Ausstellung konnte die Polizei nicht vereiteln. Noch unverständlicher ist das nicht Reagieren der Veranstalter vom Hamburger Institut für Sozialforschung bei einem Vortrag über die Infanterie im 2. Weltkrieg. Die Veranstaltung wurde durch etwa 40 Neonazis über die gesamte Zeit gestört, sie entrollten Transparente und riefen „Lüge, Lüge“. Statt die Störer rauszuschmeißen, wurde mit ihnen diskutiert.

Wir sind heute hier, um den Nazis so energisch entgegenzutreten, wie sie es verdienen. Wir haben alle allerspätesten s am 31. Januar gesehen, dass wir uns nicht auf den Staat verlassen können, wenn es gegen die Nazis geht, und von alleine werden die Aktivitäten der Neonazis nicht weniger werden. Schon jetzt sind neue Schwerpunkte neonazistischer Mobilisierung zu erkennen. Der 1 Mai, der Rudolf Heß Gedenkmarsch sowie das Gedenken an die SS in Halbe werden wohl zukünftig neuen Aufwind erfahren.

Aber egal wo die Nazis auch sein werden, wir werden auch da sein.

Wir lassen uns nicht aufhalten! Unsere Großväter waren Verbrecher!

Für einen breiten antifaschistischen Widerstand.

Kein Fußbreit den Faschisten! Deutschland abschalten.  

Hamburg, 16.3.2004: Pressemitteilung der VVN

VVN-BdA stellt Strafanzeige gegen Holocaustleugner, Einsatzleitung und Ex-Innensenator Dirk Nockemann

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BdA), vertreten durch ihre Landesvorsitzende Frau Cornelia Kerth, hat am Montag den 15.3.2004 unter dem Aktenzeichen 00129/04GH vor dem Landgericht Hamburg Strafanzeige gegen Thomas Wulff, den Versammlungsanmelder der »Nazi-Demo« vom 31. Januar in Barmbek, gestellt. Daneben wird sich die Staatsanwaltschaft auch mit den Auftritten der beiden Kundgebungsredner, dem stellvertretenden Parteivorsitzenden der NPD, Holger Apfel, sowie dem »freien Nationalisten« Ralf Tegethoff, beschäftigen müssen.

Bei allen genannten besteht der begründete Verdacht der Volksverhetzung, des Verstoßes gegen das Vereinigungsverbot, sowie der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Mit der eingereichten Strafanzeige verbindet die Vereinigung der ehemaligen Widerstandskämpfer die Absicht, die Voraussetzungen für ein Verbot des Naziaufmarsches am 27.3. zu schaffen. »Leider«, so die Landessprecherin Cornelia Kerth, »fehlt der Innenbehörde zur Zeit der Wille gegen Naziaufmärsche mit Rechtsmitteln vorzugehen. Die Strafanzeige soll die Aufmerksamkeit auf das Thema lenken und den politischen Druck erhöhen.«

Darüber hinaus fordert die Klageschrift der Hamburger Rechtsanwältin Gabriele Heinecke den Verdacht der Strafvereitelung (§ 258 StGB) gegen den zuständigen Einsatzleiter am 31.01.2004 und den vor Ort anwesenden Innensenator Dirk Nockemann zu klären. Ihrer Ansicht nach hätte die Innenbehörde die Versammlung mit dem Motto »Reemtsma lügt - Wahrheit siegt« verbieten müssen, denn das Ziel der Demonstration (die öffentliche Volksverhetzung, nämlich das Leugnen des Holocaust und der Verbrechen der Wehrmacht ) war bereits zum Zeitpunkt der Anmeldung erkennbar.

»Bereits das Demonstrations-Motto ,Reemtsma lügt - Wahrheit siegt' erfüllt den Tatbestand der Volksverhetzung, indem eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Völkermord öffentlich gebilligt, geleugnet oder verharmlost wird. Zudem stelle sich das Unterlassen des Einschreitens gegen die wiederholt skandierte Parole »Ruhm und Ehre der Waffen-SS« und das Absingen der ersten Strophe des Deutschlandliedes tatbeständlich Strafvereitelung dar«, so die Begründung.

Der ganze Text der Strafanzeige als PDF (53 KB)

Stellungnahme der "AntifaKoordination/Hamburg" zu den Vorfällen am Beginn der antifaschistischen Demonstration gegen den Naziaufmarsch in Hamburg am 31. Januar 2004.

Fair Play!? Nachspielzeit!

Der Spielzug...

Es ist in der Zwischenzeit schon viel gesagt und geschrieben worden. Wir als politische TrägerInnen der Gegenaktivitäten haben uns entschieden, zu den Vorfällen am Beginn unserer Demonstration Stellung zu nehmen.

Unser erklärtes Ziel zu Beginn der Mobilisierung zu den Aktivitäten gegen den Naziaufmarsch war es, eine große, politisch breite und entschlossene Demonstration zu organisieren. Um dieses Ziel zu erreichen, sind wie bei jeder bündnispolitischen Aktivität, Kompromisse unverzichtbar. Dies bedeutet, dass alle Beteiligten neben einem gemeinsamen Aufruf, einem gemeinsamen Plakat und gemeinsamen Veranstaltungen auch bei der Ausrichtung, bzw. beim Konzept der Demonstration, kompromissfähig sein müssen. Wer dazu nicht in der Lage oder Willens ist, sollte eigene Aufrufe, Plakate, Aktionen und Demonstrationen organisieren.

Im Sinne dieses gemeinsam getragenen Ziels war auch die ausdrückliche Aufforderung zu verstehen, auf das Mitführen jeglicher Nationalfahnen zu verzichten. Diese Entscheidung basierte u.a. auf der Hoffnung, solche handgreiflichen Auseinandersetzungen, wie schon anderorts vorgefallen, bereits im Vorfeld zu verhindern. Diese haben wir allen organisierten Strukturen, die wir mit über 15 Veranstaltungen in mehr als 10 Städten zu unserer Demonstration einluden, vermittelt. In kaum einer Stadt gab es zu diesem Punkt Diskussionsbedarf.

Im Vorbereitungskreis der Demo war besprochen worden, sollten solche Fahnen auftauchen, werden die TrägerInnen angesprochen und gebeten, die Fahnen einzurollen oder sich im hinteren Teil der Demo einzureihen. Sollten sie dieser Bitte nicht nachkommen, werden sie aus der Demo geschoben. Dies sollte ohne größeres Aufsehen, bzw. ruhig und ohne Handgreiflichkeiten ablaufen. Eine körperliche Auseinandersetzung war von niemandem gewünscht, wurde und wird von uns nicht gewollt.

Wie schon erwähnt, haben wir unser Konzept im Vorfeld transparent gemacht und standen einer politischen Auseinandersetzung zur Verfügung.

Das Foul...

Ca. 20 Personen aus dem sog. "antideutschen" Spektrum Berlins [Sicher wissen wir: Personen u.a. von der Redaktion Bahamas, Autonome Antifa Nordost [AANO], sowie der kp-berlin] versuchten sich bei Start der Demo mit ca. 5 Israelfahnen, 1 USA-, 1 GB-Fahne sowie zwei Transparenten in die Demo zu drängen. Dies geschah zwischen der dritten und vierten Kette, d.h. eindeutig im Bereich der organisierten Hamburger Gruppen. Unsere Ketten reagierten großenteils gemäß der Absprache. Sie versuchten, die Reihen zu schließen und den Weg in die Demo an dieser Stelle zu versperren. Parallel zu dieser Aktion versuchten wir als Demoleitung über den Lautsprecherwagen zu beruhigen und zu deeskalieren. Wir forderten die FahnenträgerInnen auf, das Konzept der Demonstration zu respektieren, die Provokationen zu unterlassen und sich doch bitte, wenn sie ihre Fahnen schon zeigen wollen, im hinteren Teil der Demo einzureihen. Diese Ansagen wurden von der Gruppe ignoriert. Es entstand eine äußerst unübersichtliche Situation, die eskalierte. Viele umstehende Personen mischten sich in die Auseinandersetzung ein. In dieser Situation begannen die FahnenträgerInnen mit ihren Fahnen in die Demo zu schlagen. Mindestens einem Demoteilnehmer zerbrach eine Fahnenstange auf dem Kopf. Anschließend stachen Einzelne mit ihren Fahnenstangen auf Augenhöhe in die Demo. Die ganze Aktion dauerte keine zwei Minuten.

Die Polizei zog daraufhin eine Kette zwischen Demo und AngreiferInnen. Drei der sog. "Antideutschen" wurden festgenommen. Um Ruhe in die Situation zu bringen, formierte sich der erste Block unserer Demonstration und ging los.

Rote Karte...

Als politische TrägerInnen der Gegenaktivitäten werten wir diese geplante Aktion der sog. "Antideutschen" als Angriff auf eine antifaschistische Demonstration. Der Rahmen der politischen Auseinandersetzung wurde mit dieser Aktion verlassen:

  1. Eine solche Aktion und die damit verbundene Auseinandersetzung ist dazu in der Lage eine komplette Demonstration in ihrer Außenwirkung völlig zu verzerren und zu gefährden. Sie kann der Polizei als Legitimation späterer Repression dienen.
  2. Es lag nie im Interesse der sog. "Antideutschen", bei unserer Demonstration mitzulaufen. Dies haben sie auf mindestens zwei Vorbereitungsveranstaltungen in Berlin deutlich gemacht.
  3. Sie wussten, dass Nationalfahnen auf unserer Demonstration nicht erwünscht waren. Sie wussten, dass wir versuchen, unser Konzept durchzusetzen und so eine Provokation nicht tolerieren werden.
  4. Sie suchten genau die Situation, die dann eintrat. Offensichtlich suchten sie die Eskalation um sich im Nachhinein zu Opfern stilisieren zu können.
  5. Die organisierten Strukturen innerhalb der Demo versuchten koordiniert, ruhig und entschlossen zu reagieren. So wie es innerhalb der Vorbereitung beschlossen war. Wenn einzelne Personen in und außerhalb der Demo über- oder sogar falsch reagierten, ist dies zu thematisieren und zu kritisieren. Jedoch darf nicht die Umkehr von Angegriffenen zu Angreifenden begangen werden.
  6. Wir distanzieren uns von antisemitischen Rufen und Sprüchen, die von einzelnen Personen am Rande der Demo gerufen wurden und verurteilen diese aufs Schärfste. Leider waren diese in der unübersichtlichen Situation nicht zuzuordnen. Solche Leute haben auf antifaschistischen, linken Demonstrationen nichts zu suchen.
  7. Wir wenden uns gegen jegliche Form von Antisemitismus und Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen.
  8. Wir erwarten von Gruppen, inner- wie außerhalb Hamburgs, die mit den ProvokateurInnen eine Zusammenarbeit pflegen, eine öffentliche Distanzierung von dieser Aktion und ihrer BefürworterInnen. Es ist an ihnen eine weitere Spaltung der antifaschistischen Bewegung zu vermeiden.
  9. Wir werden auch in Zukunft solche Provokationen und Angriffe auf unsere Veranstaltungen, Aktionen und Demonstration nicht dulden und sie nach Kräften unterbinden.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel...

Wir werden auch zum nächsten angekündigten Naziaufmarsch am 27. März nach Kräften weiter mobilisieren und unser möglichstes tun, um diesen zu verhindern. Alle Antifaschistinnen und Antifaschisten, die mit uns gemeinsam und entschlossen an die Erfolge des 31. Januar anknüpfen wollen, sind herzlich eingeladen und aufgefordert, sich zu beteiligen!

Mit antifaschistischen Grüßen

Anarchistische Gruppe/RätekommunistInnen [AG/R]
Antifa-Info-Telefon, Hamburg
Antifaschistische Aktion Harburg
Autonome Gruppen Hamburg
Autonomer Rabatz - Gruppe Hamburg [AR-GH]
Avanti - Projekt undogmatische Linke, Hamburg
Rote Aktion Hamburg
t.a.p.e.

Aufruf des antifaschistischen Bündnis zur Demonstration am 31.1.2004:

Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!

Für den 31. Januar 2004 haben sogenannte “Freie Nationalisten” erneut einen Aufmarsch durch Hamburg angekündigt. Anlass ist die letzte Station der Wanderausstellung “Verbrechen der Wehrmacht - Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941—1944”, die von Januar bis März 2004 in der Kampnagelfabrik in Winterhude gezeigt wird. Wir rufen dazu auf, den Nazis entgegenzutreten und ihrer menschenverachtenden Propaganda keinen Raum zu lassen!
Überall, wo in den vergangenen Jahren die Wehrmachtsausstellung gezeigt wurde, haben Nazigruppen versucht, mit Aufmärschen für ihr mörderisches Weltbild zu werben und dabei die Verbrechen von Wehrmacht und Waffen-SS während des zweiten Weltkrieges zu verleugnen und zu verharmlosen.
In der Vergangenheit haben Gerichte diese Aufmärsche als freie Meinungsäußerung bewertet und damit die Grundlage für deren Durchsetzung geschaffen. Doch für uns gilt nach wie vor: Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen! Erinnern wir uns: Am 30. Januar wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler gemacht. 12 Jahre Nazi-Terror begannen mit Massenverhaftungen in der darauffolgenden Nacht. 

Die Verbrechen des deutschen Faschismus, von der flächendeckenden Errichtung von Konzentrationslagern, dem II. Weltkrieges mit 50 Millionen Toten, der industriellen Vernichtung von 6 Millionen Jüdinnen und Juden sowie der Roma und Sinti bis zur Versklavung von Millionen ZwangsarbeiterInnen dürfen nicht in Vergessenheit geraten und erst recht nicht verleugnet oder verharmlost werden. Die Erinnerung an die Verbrechen des Faschismus ist Mahnung und Auftrag, uns den aktuellen faschistischen Tendenzen, wie auch jeglicher Kriegsgefahr entgegen zu stellen. Zumal die Ausrichtung der Bundeswehr auf weltweite Kriegseinsätze zur Rehabilitierung von Kriegen zur Durchsetzung „deutscher Interessen“ immer unverholender betrieben wird.
Seit Beginn der 90er Jahre sind über hundert Menschen von Nazis ermordet worden, MigrantInnen ebenso wie Obdachlose, Punks, Schwule alle, die nicht in ihr menschenverachtendes Weltbild passen. Die Gefahr, die von organisierten Nazis ausgeht, wird aus den jüngsten Aufdeckungen von bewaffneten terroristischen Strukturen deutlich.

In München wurden im September 2003, neben Sprengstoff und Waffen, Pläne für Anschläge auf den Synagogen-Neubau und in Hamburg und Schleswig-Holstein im Oktober 2003 Namenslisten von Politikern und GewerkschaftsaktivistInnen gefunden.
Der NPD-Verbotsprozess ist an dem undurchschaubaren Geflecht von Spitzeln des "Verfassungsschutzes" in NPD-Funktionen und NPD-Funktionären auf VS-Gehaltslisten gescheitert. Eine Aufarbeitung durch das Parlament findet nicht statt.
Statt dessen machen CDU-Bundestags-Abgeordnete Schlagzeilen mit antisemitischen, rassistischen und antidemokratischen Äußerungen, die auf breite Resonanz bei ihren WählerInnen und unverhohlene Zustimmung beim Kommandeur der Bundeswehr- "Elitetruppe" KSK setzten. Zustimmend reagierte auch der Hamburger Fraktionsführer Mario Mettbach, welcher dem Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann bei Rausschmiss aus der CDU den Eintritt in die Schillpartei anbot. Das reaktionäre Lager scheut sich nicht davor, an die Kampagnen der Nazis von "Heimreise statt Einwanderung" bis zur Legende von der "sauberen" Wehrmacht anzuknüpfen.

Neben diesen öffentlich bekannten Skandalen sind vor allem die permanente Schikanierung und Abschiebung von Flüchtlingen im Schatten von Gesetzen und Verordnungen, Zeugnis für die Verbreitung des Rassismus in dieser Gesellschaft. 

Hingegen wird Antifaschismus im VS-Bericht weiter als verfassungsfeindlich diffamiert. Antifaschisten werden kriminalisiert und nach § 21 Versammlungsgesetz unter Strafandrohung gestellt, wenn sie "behördlich genehmigte Versammlungen stören“.

Dem halten wir entgegen:

Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!

Demonstration, 11.00 Uhr, Bahnhof Barmbek

Wir werden die Nazis nicht ungestört durch die Strassen Hamburgs marschieren lassen!

Unser Protest richtet sich dabei nicht nur gegen marschierende Nazibanden, sondern gegen jede Art von Nationalismus und Rassismus, die in dieser Gesellschaft weite Verbreitung gefunden haben. Lassen wir die Verfälschung der Geschichte nicht zu und stellen wir uns jeder Form faschistischer Propaganda entgegen!


Den Aufruf unterstützen (Stand 13.1.2004): Aktionsplenum Soziales Zentrum Norderstedt, Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AG/R), Antifa-Infotelefon Hamburg, Antifaschistische Aktion Hannover [AAH], Antifaschistische Aktion Harburg, Antifaschistische Aktion Lüneburg/Uelzen, AStA der HfbK am Lerchenfeld, Autonome Antifa Infernal [AAI] Berlin, Avanti – Projekt undogmatische Linke/Hamburg, Deutscher Freidenker-Verband e.V. / Ortsverband Hamburg, DKP Hamburg, Fanladen St. Pauli, Flüchtlingsrat Hamburg, Friedensinitiative Bergedorf, Hamburger Forum für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung e.V., Hamburgpunk.de, Hochschulantifa, Jugendwiderstand, juso-hochschulgruppe, Juso – LAK Gegen Rechts, Linksruck Hamburg, Koordinationskreis-Hamburg/Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen, Landesarbeitsgemeinschaft Straßensozialarbeit Hamburg, Liste LINKS, PDS-LV Hamburg, PRO SANKT PAULI, Red Action Königswusterhausen, REGENBOGEN – Für eine neue Linke, Revolutionär Sozialistischer Bund /IV. Internationale (RSB) Hamburg, Rote Aktion Hamburg, SDAJ Hamburg, SJD – die Falken, [`solid] 36 - die sozialistische Jugend Kreuzberg, Sprecherrat der offiziellen Fanclubs des FC St. Pauli, St. Pauli Redside (Fanclub), ...

Die Demonstration unterstützen: Antifaschistische Aktion Rendsburg [AARD], BUKO (Bundeskoordination Internationalismus), Rotfuchs Förderverein e.V. - OG Hamburg, ver.di Betriebsgruppe Brief Hamburg Zentrum, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten (VVN-BdA), Vorbereitungsgruppe Methfesselfest 2004